Die Callactive GmbH,…
Donnerstag, 31.05.2007 , 23.55ein Endemol-Unternehmen, geleitet von dem Minderheitsgesellschafter Stephan Mayerbacher, und der Hot Button wurden von Stefan Niggemeier heute schon thematisiert. Zutreffend hat Stefan Niggemeier darauf hingewiesen, daß die Presseerklärung der Callactive GmbH vom 29. Mai 2007, die sich mit dem dort praktizierten “Hot-Button”-Modus auseinandersetzt, offenbar als “Gegenentwurf” zu der Presseerklärung vom 24. Mai 2007 von 9Live gedacht war, aber ähnlich wie deren Erklärung gründlich vernebelnd formuliert war. Das paßt ins Bild, ist doch Insidern wie den Mitgliedern des Call-in-TV-Forums seit langem aufgefallen, daß die Callactive GmbH schon in der Vergangenheit alle erfolgversprechenden Konzepte von 9Live über kurz oder lang übernommen hat: das “Ochsenspiel”, das “Platzhalterspiel” etc. pp.
Nun also auch eine Presseerklärung von der Callactive GmbH. Meinetwegen. Nur ist entweder die Presseerklärung falsch unvollständig oder die Gesetze der Logik sind außer Kraft oder die Callactive GmbH (CA) hat ihre eigene Auffassung von Logik. In der Ca-Pressemitteilung heißt es im wesentlichen:
Der Hot-Button Mechanismus wählt zu einem beliebigen Zeitpunkt während der aktuellen Runde und bei einem beliebigen Anrufer ohne Beeinflussung durch den Redakteur oder einer anderen Person einen Anrufer aus, der dann unverzüglich vom System vollkommen automatisiert ins Studio weitergeleitet […] wird. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf einer transparenten und nicht beeinflussbaren Logik.
Der Redakteur konfiguriert auf Grund der ihm für dieses Spiel zur Verfügung stehenden Sendezeit die Dauer des Spiels bzw. der Spielrunde. Das System ermittelt daraufhin durch einen standardisierten Zufallsmechanismus einen Zeitpunkt innerhalb dieser Spiel- bzw. Rundendauer, zu dem der Hot-Button-Mechanismus einen Anrufer auswählt und diesen automatisiert ins Studio weiterleitet. Dieser vom System ermittelte Zeitpunkt wird zu keiner Zeit dem Redakteur, Moderator oder einer anderen Person bekannt gemacht.
Damit ist gewährleistet, dass Zuschauer unserer Sendungen bei Hot-Button Runden zu jedem Zeitpunkt die echte Chance haben, ausgewählt zu werden.
Die Presseerklärung wirft wie die von 9Live mehr Fragen auf als sie beantwortet - typisch Nebelkerze eben. Als erstes fällt mir auf, daß die Callactive GmbH zur Zeit nur ein Sendeformat produziert, nämlich die Sendung “Money €xpress”. Dieses Format wird - werfen wir nur einen Blick auf den Zeitraum von montags bis donnerstag - auf dem Sender Nick von 0.00 - 3.05 Uhr, auf dem Sender Viva von 0.00 - 3.04 Uhr und auf dem Sender Comedy Central, der sich später dazuschaltet, von 0.15 - 3.00 Uhr ausgestrahlt, wobei auf allen drei Sendern nur die live ausgestrahlte Sendung über den Äther geht. Da horcht der aufmerksame Leser bereits auf: wie kann ein Redakteur für eine Sendung, in die sich ein Sender später einblendet und aus der sich die Sender zu unterschiedlichen Zeiten ausblenden, den “Hot Button” im voraus für die gesamte Sendedauer konfigurieren?
Da gibt es nur drei Möglichkeiten: entweder konfiguriert der Redakteur den “Hot Button” für die längste Sendezeit auf “Nick” von 0.00 - 3.05 Uhr mit der Folge, daß die Zuschauer auf Comedy Central und Viva aufgrund der verkürzten Sendezeit verhältnismäßig geringere und damit eben nicht die gleichen Chancen haben, jederzeit durchgestellt zu werden, oder der “Hot Button” wird nur für die “Kernzeit” auf allen drei Sendern, also für den Zeitraum von 0.15 - 3.00 (3.04) Uhr konfiguriert, damit die Zuschauer auf allen Sendern dieselben Chancen haben. Dagegen wiederum spricht, daß jeweils zu Beginn der Sendezeit um 0.00 Uhr mehrere schnelle “Hot Button”-Runden gezockt gespielt werden, zu denen die Sendung auf Comedy Central noch gar nicht ausgestrahlt wird. Chancengleichheit? Nö. Die dritte Möglichkeit wäre, daß der Redakteur jeweils während der laufenden Sendung den “Hot Button” für ein bestimmtes “Zeitfenster” programmiert, wobei ein “Zeitfenster” zwischen Konfigurierung und “Zuschlagen” zwischen Stunden und Millisekunden liegen kann - je nach vorheriger Auswahl des Redakteurs. Das hätte dann aber mit Zufall nicht mehr viel zu tun, sondern wäre letztlich ein durch den Redakteur gelenkter Zufall.
Da paßt, gehen wir einmal von einem ungelenkten Zufall und damit von einer Programmierung des “Hot Buttons” am Anfang einer Sendung für die gesamte Sendezeit aus, auch anderes nicht:
Schauen wir uns einmal den typischen Ablauf einer “Money €xpress”-Sendung an. Am Anfang einer Sendung werden in aller Regel kurze, einfache “Spiele” durchgeführt, bespielweise Wortsuchen, bei denen man neun vorgegebene, “durcheinandergewürfelte” Buchstaben zu einem sinnvollen Begriff zusammenfügen muß, “Bratwurst”, “Hollywood” oder “Flughafen”. Diese Spiele werden im “Hot-Button”-Modus gespielt und regelmäßig sehr schnell von Anrufern gelöst. Dann folgt in der Regel ein Spiel, bei dem für den regelmäßigen Zuschauer zumeist absehbar ist, was in der Folge geschieht: Der erste Anrufer wird noch im “Hot-Button”-Modus durchgestellt, nennt aber zumeist die falsche Lösung. Sodann wird im laufenden Spiel in den “Leitungsmodus” gewechselt. Nun dauert es fast stets mehrere Minuten, bis überhaupt die nächsten Zuschauer durchgestellt werden. In unterschiedlicher Dramaturgie werden in der Folge entweder, wenn ein Anrufer richtig löst, neue Spiele gespielt oder das laufende Spiel bis zum “bitteren” Sendeende weiter gespielt. Pünktlich zum Sendeende wird dann wieder auf den “Hot-Button”-Modus umgeschaltet, woraufhin dann ebenso regelmäßig kurz vor dem “inoffiziellen” Sendeende um 3.04 Uhr auf Viva ein Anrufer durchgestellt wird, der das Rätsel auflöst.
Wie also wäre die vorherige Konfigurierung des “Hot Buttons” für die gesamte Sendezeit bzw. für die jeweiligen erklärbar, wenn der Redakteur die “Dramaturgie” der Sendung, nämlich den Zeitpunkt der Auflösung eines Spiels und den damit verbundenen Start einer neuen Spielrunde im Vorhinein gar nicht wissen kann? Eben. Gar nicht. Es sei denn, die Callactive GmbH rekrutiert ihre Redakteure aus dem Personal der “Astro-Shows” und deren Glaskugel oder Tarot-Karten versagen nicht den Dienst.
Die Presseerklärung der Callactive GmbH macht also nur dann Sinn, wenn der Redakteur den “Hot Button” je nach Spiel während der laufenden Sendung mehrmals konfiguriert und auch die Möglichkeit zum jederzeitigen Abbruch einer “Hot Button”-Runde hat - anders wäre ein Spielabbruch in der laufenden Sendung im “Hot-Button”-Modus nicht durchführbar.
Letztlich bleibt es also dabei: Die Callactive GmbH ist ebensowenig in der Lage, den “Hot-Button”-Modus nachvollziehbar zu erklären wie der Sender 9Live. Und der Verdacht keimt auf: die wollen das auch gar nicht. Dann wäre der “Hot-Button”-Modus nämlich nachvollziehbar.
Bleibt also eine Frage offen: wer sagt dem König Zuschauer Kaiser nun, daß er nackt ist? Die für 9Live und Callactive zuständige Bayerische Landeszentrale für neue Medien wohl kaum: die spielt in diesem Stück ja schon die Rolle des kaiserlichen Ministers.
Freitag, 01.06.2007 um 9:17 am
….daumen hoch herr metzing…:-))
besonders der schlussteil mit der rolle des kaiserlichen ministers gefällt mir…
gruß
jonas
Freitag, 01.06.2007 um 2:02 pm
Neben anderen Ungereimtheiten sollte einmal geklärt werden, was dem Ausdruck “die zur Verfügung stehende Sendezeit” überhaupt gemeint ist, abgesehen davon, dass die Sendezeiten unterschiedlich sind.
Die präsentierenden Damen, als “Teile des Spiels” bezeichnet, schwafeln doch ständig davon, dass das Spiel jeden Moment, spätestens aber um ….Uhr beendet ist, um es dann noch stundenlang weiter zu spielen. Sollten die Teile etwa die Unwahrheit sagen?
Außerdem kann mir niemand erzählen, dass in Hot-Button-Runden mit kleinen Gewinnen und einfachen Rätseln der genannte heiße Knopf alle paar Minuten zuschlägt um dann in eine Art technisches Koma zu fallen und überhaupt nicht mehr zu reagieren.
Eine weitere Frage zu den bei CA doch sehr beliebten “Leitungsspielen” wirft sich mir auf: Wer bestimmt eigentlich den “richtigen Zeitpunkt”, zu dem man die Leitung treffen muss? Auch ein technischer Zufallsmechanismus, entwickelt in Zusammenarbeit mit den ständig anwesenden Wissenschaftlern?
Nachdem ich im Zusammenhang mit CA den Satz “Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf einer transparenten und nicht beeinflussbaren Logik.” gelesen hatte, musste ich (sorry) erst einmal meine Hosen wechseln. Obwohl das erste Adjektiv stimmt. Eine derart transparente Logik ist mir bisher weder im deutschen Fernsehen noch sonst wo bisher untergekommen. Ein Spielablauf gleicht, Falschantworter und Aufleger eingeschlossen, dem anderen wie die berühmten Hühnereier. Wobei man bei denen ja noch manchmal vom Inhalt überrascht wird. Bei M€ war das bisher nie der Fall.
Freitag, 01.06.2007 um 2:45 pm
[…] standardisierten Zufallsmechanismus […]
Diese Aussage macht schon irgendwie Sinn, denn pünktlich zum Sendeende wird ja im Hauptspiel ein Anrufer durch den
Redakteur“Zufallsmechanismus” ausgewählt, eben standardmäßig.Wir wissen doch alle, das die Call-in-Abzocke nur funktionieren kann, wenn der Betreiber willkürlich das Spiel entweder Zeitlich bewusst in die Länge zieht, AB-Runden, einfache Spielchen mit langen Durchstellpausen oder diesen Glückratesspielchen X vor Y, wo man viele Anrufer durchstellen kann ohne das ein Anrufer gleich die Lösung nennt weil eben nur raten kann.
Diese Art und Weise der der Spielgestaltung hat nur den Zweck, möglichst viele Anrufer auf die Bandansagen zu locken und der Staat es zulässt, das die Betreiber sich daraus Refinanzieren dürfen und diesen Umstand machen sich die Betreiber natürlich zum Vorteil möglichst viel daraus abzuschöpfen, auch eben mal mit willkürlicher Sendezeitüberziehung, weil die PEAKS gerade so hoch sind und mitten in der Woche schon mal bis 02:25 Uhr die Durchstellpause in die Länge ziehen.
Das widerspricht die Aussage mit dem setzen eines Zeitfenster, das ja, wenn die Sendezeit bis 02:00 Uhr geht, eben nur bis 02:00 Uhr gesetzt werden sollte und dann innerhalb dieses Zeitfensters eine “zufällige” Auswahl stattfindet.
Wenn die BLM laut 9Live die Funktionsweise der Auswahlmechnismen kennt, wieso darf dann der Sender bewusst das Durchstellen über das eigentliche Sendeende 25 Minuten hinauszögern, wie in der Nacht vom 30. zum 31. 05. 2007? Hier erkennen wir die klaren Profitinteressen und den Sinn der Aussage von Alida L.: “…bei solchen Peaks schlagt doch später zu!”
Freitag, 01.06.2007 um 3:32 pm
@GH, Du schreibst:
“Wenn die BLM laut 9Live die Funktionsweise der Auswahlmechnismen kennt,…”
Nun, kennt sie diese?
Stefan Niggemeier schrieb am 3. Mai in seinem Blog:
Einigermaßen erschütternd ist es, wenn BLM-Sprecher Wolfgang Flieger laut “Berliner Zeitung” sagt, man wisse “nicht im Detail, wie diese Technik funktioniert” und damit den Auswahlmechanismus meint, nach dem die Anrufer durchgestellt werden.
Quelle: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/vor-dem-call-tv-gipfel/]
Freitag, 01.06.2007 um 5:19 pm
@Denken-Sie-Einfach
Ja ich kenne die Aussage sowohl von der einen, wie auch von der anderen Seite, die somit im Widerspruch stehen. Aber dem “dummen” Zuschauer kann man ja so ALLES erzählen und Gehirnwäsche betreiben.
9Live Presseerklärung vom 24.05.2007 | 18:04 Uhr
Da nehmen sich die Kleinkapitalisten auf der einen und die Kleinkapitalisten auf der anderen Seite nicht viel, leben doch beide wie Schmarotzer (Parasiten) vom Geld der TV-Zuschauer (Wirt), ohne wirkliche Gegenleistung dafür zu erbringen außer diesen ganzen virtuellen Schrott.
Samstag, 02.06.2007 um 7:55 am
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